12. July 2019

Moore wieder vernässen - aber warum?

Umweltschutzarbeiten im Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Die Landschaft hier ist geprägt von riesigen Wäldern, steilen Hügeln, kleinen Bächen und Teichen, Felsen und Sümpfen. Nur kleine Weiler unterbrechen die Natur, eine perfekte Heimat für viele seltene Tier- und Pflanzenarten, aber auch eine tolle Gegend zum Wandern. Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald wurde 2015 gegründet und beherbergt neben Wölfen, Mufflons und den seltenen Wildkatzen auch die Hangmoore des Hunsrück. Seit 2016 unterstützen internationale Freiwillige mit uns die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz und die Ranger im Nationalpark bei der Wiedervernässung der Moore. Doch wieso müssen die überhaupt wieder vernässt werden?

In einem natürlichen Hangmoor sickert Regenwasser langsam und kontinuierlich den Hang hinab, bis es bei den Torfschichten ankommt, die sich in den vergangenen 4000 Jahren gebildet haben. Torf speichert Wasser, sodass der Boden hier permanent nass bleibt. Nicht sonderlich praktisch natürlich, um Wege und Straßen anzulegen. Oder um Bäume zu pflanzen, um einen steigenden Holzbedarf zu decken. Traditionell wurde getrockneter Torf außerdem auch oft als Heizmaterial verwendet. Nach und nach wurden daher im vergangenen Jahrhundert immer mehr Entwässerungsgräben gezogen und immer mehr Moore trocken gelegt. Auch die Hangmoore des Nationalparks wurden im letzten Jahrhundert mit Gräben entwässert, um sie als Wälder zu nutzen. Während ursprünglich 5% der Fläche Deutschland von Mooren bedeckt waren, sind es zur Zeit nur noch 0,1%. Ist das schlecht? Ja, denn Moore sind ein wichtiger und wertvoller natürlicher CO2-Speicher. Trocknet der Torf, so setzt er Nährstoffe und das CO2 frei, das er gespeichert hat. Das ist nicht gut fürs Klima.

Moore binden derzeit fast doppelt so viel CO2, wie alle Waldgebiete weltweit. Neben der Abgabe von CO2 schwindet durch trocken gelegte Moore aber auch der spezielle Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten.

Was kann man dagegen tun? Genau, das Wasser zurück in die Moore holen. Im Nationalpark Hunsrück-Hochwald wird daher im Rahmen des EU LIFE+ Projekts daran gearbeitet, die Entwässerungsanlagen zu verschließen, Wege zurück zu bauen und die Hangmoore so Stück für Stück in ihren ursprünglichen Zustand zurück zu versetzen. Wie das konkret aussieht? Die Campleiterin unseres Workcamps im Nationalpark 2016 berichtet: "Die ersten Tage verbrachten wir damit einen Brettersteg durch das Moor zu legen, damit wir unsere Einsatzgebiete mit Schubkarren erreichen konnten. Danach ging es an die direkte Arbeit im Moor. Dazu wurden kleine Bauwerke als Barrieren in alte Abflussgräben geschlagen und die abgetrennten Abschnitte mit Hackschnitzel und Sägemehl gefüllt. In einem letzten Schritt haben wir die ehemaligen Gräben bepflanzt. Die Gruppe arbeitete hervorragend zusammen, niemand versuchte sich zu drücken oder hatte jemals schlechte Laune, obwohl die Arbeit sehr hart war. Erschwert wurde das Arbeiten durch den vielen Regen, der das Schubkarrenschieben in eine schweißtreibende und rutschige Angelegenheit verwandelte."

Die Arbeit in diesem Workcamp ist also durchaus körperlich anstrengend und ihr könnt euch sicher sein: es wird garantiert nass und matschig! Wanderschuhe, Gummistiefel und Arbeitskleidung, die dreckig werden darf, einzupacken ist hier eine gute Idee. Die ersten Erfolge der Naturschutzarbeiten der vergangenen Jahre sind inzwischen aber schon sichtbar: Viele verschiedene Arten (insbesondere Amphibien und seltene Pflanzen) sind bereits zurückgekehrt!

Ihr habt Lust, uns und die Ranger im Nationalpark bei der Arbeit in den Mooren zu unterstützen? Engagiert euch mit uns im Nationalpark!

Wir suchen aktuell noch eine zweite Gruppenleitung für das Workcamp im Nationalpark Hunsrück-Hochwald! Vom 25. August bis zum 14. September 2019 sind wir mit insgesamt 15 Freiwilligen im Nationalpark unterwegs. Neben der Mithilfe bei der Wiedervernässung der Moore stehen auch Instandhaltungarbeiten am Wildgehege Wildenburg auf dem Programm. Hier findet ihr weitere Informationen dazu.

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