10. September 2013

Workcamp in Monsummano Terme (Italien)

Mein Workcamp, das von der italienischen Umweltschutzorganisation Legambiente organisiert wurde, fand in Monsummano (Montevettolini) statt, knapp eine Stunde Zugfahrt von Florenz entfernt.

Ankunft in Italien

Da der Nachtzug von Samstag auf Sonntag bereits ausgebucht war, ich aber trotzdem mit dem Zug anreisen wollte, fuhr ich bereits am Freitagabend mit dem Nachtzug los und kam am Samstag in Florenz an, wo sich mir die Gelegenheit bot, die architektonisch und künstlerisch sehr sehenswerte Stadt zu besichtigen. Nach einer Nacht im Hotel fuhr ich am nächsten Tag mit dem Zug nach Montecatini Terme, dem Nachbarort von Monsummano Terme. Dabei musste ich bestimmt dreimal den Schaffner fragen, ob ich im richtigen Zug und an der richtigen Haltestelle bin, denn in Florenz stellte sich heraus, dass der Zug, mit dem ich planmäßig hätte fahren sollen, defekt war, sodass ich den nächsten Zug eine halbe Stunde später nehmen musste. Und dann hätte ich die Station Montecatini Terme beinahe verpasst, da dort kein Bahnhofshaltestellenschild zu sehen war. Dort angekommen, konnte ich aber schnell die ersten Gruppenmitglieder (aus Spanien, Frankreich, Italien, Tschechien, Serbien, Russland, Südkorea, Taiwan) des Workcamps kennenlernen, wobei mir auf Anhieb alle sympathisch erschienen. Nach einiger Zeit lernten wir auch die Campleiterin kennen, mit der wir in einem Van zu unserer Unterkunft fuhren. Dort konnten wir einen ersten Eindruck von der Schlafunterkunft, einer Sporthalle, und von der Küche, sowie dem Essensraum gewinnen, welcher sich im Vereinshaus des ortsansässigen Fussballvereins befand. Hier lernten wir auch den zweiten Campleiter kennen und konnten uns ein wenig stärken. Nachdem wir uns ein wenig eingerichtet hatten, wollten alle unbedingt zum auf derselben Anlage befindlichen Freibad, da wir dort für die gesamten zwei Wochen freien Einlass bekommen hatten.

Unser Zuhause: Sporthalle & Zeltlager

Unsere Unterkunft war in einer Sporthalle auf der Anlage des ortsansässigen Fussballvereins. Dort hatten wir unsere Schlafplätze auf aufblasbaren Betten und Bettgestellen mit Matratzen. Wie in Sporthallen üblich, gab es Dusch-, Wasch- und Toilettenräume. Das Essen bereiteten wir in der Küche des Vereinshauses des Fussballclubs zu, wo sich auch der Essens- und Gemeinschaftsraum befand. An einigen Abenden wurden nationale Gerichte aus den jeweiligen Ländern zubereitet und alle waren begeistert.
In der zweiten Woche verbrachten wir zwei Tage und Nächte in einem Zeltlager eines italienischen Workcamps. Dort konnte man zum Duschen lediglich den etwa 15 °C kühlen Fluss nutzen. Desweiteren war der Schlafkomfort in den Zelten eingeschränkt, da die zur Verfügung gestellten Isomatten einfach waren und der Untergrund somit deutlich zu spüren. Die Küche und der gemeinschaftliche Essensplatz bot eine bierzeltähnliche Atmosphäre.

Arbeiten in einem mittelalterlichen Dorf und in den Bergen

Wir arbeiteten die komplette erste Woche, Montag bis Samstag, immer von morgens 8.30 Uhr bis ca. 13 Uhr mittags. Unsere Arbeit bestand darin, einen Pfad entlang der Mauer eines mittelalterlichen Dorfes aus dem 16 Jahrhundert instandzuhalten, welches zu Monsummano gehört. Dabei entfernten wir überschüssigen Pflanzenbewuchs am Pfad und an der Mauer, wobei wir schnell die italienischen Wörter der Gärtnergerätschaften lernten. Darüber hinaus errichteten wir einige Zaunabschnitte und eine Sitzbank und verdeckten die Abwasserrohre mit dem dort reichlich vorhandenen, aber doch für die Region untypischen Bambus. Bei der Arbeit hatten wir unter anderem Unterstützung von Einheimischen aus dem Dorf.

In der zweiten Woche schlossen wir unsere Arbeit in Montevettolini ab und fuhren zu einem italienischen Workcamp nach Stiappa in die Berge, in der Nähe von Pescia. Dort verbrachten wir 3 Tage und übernachteten in Zelten. Da hier eine dichte Bewaldung herrscht, war die Luft angenehm kühl und frisch. In diesem Workcamp wurden wir in verschiedene Gruppen eingeteilt, sodass jeder einen Beitrag leisten konnte. Während eine Gruppe für die Küchenarbeit zuständig war, half eine andere Gruppe bei der Beschaffung von Zementsäcken, welche zur Restaurierung der alten Mühle gebraucht wurden und meine Gruppe war mit dem Sammeln von Holz für das Lagerfeuer und die Sauna beschäftigt, was durchaus nötig war, da in den Abendstunden kühle Temperaturen vorherrschten.

Sightseeing, das florentinische Nachtleben und ein Beauty-Contest

Freie Zeit konnten wir in der ersten Woche immer nachmittags und in der zweiten Woche noch ausgedehnter nutzen. Da wir Freikarten für das Freibad hatten, besuchten wir das gut besuchte Schwimmbad gleich am Tag unserer Ankunft und an einigen anderen Tagen. Weiterhin nutzten wir den Nachmittag, um den Ort zu erkunden oder etwas einzukaufen. Wir fuhren mit dem Zug in das etwa eine Stunde entfernt gelegene Lucca, wo wir die mediterrane Architektur bewundern konnten.
Am Wochenende, zur Halbzeit des Workcamps, beschlossen wir einstimmig mit dem Zug nach Florenz zu fahren, wo wir zwei Tage blieben. Der größte Teil unserer Gruppe, mich eingeschlossen, besichtigte die wichtigsten architektonischen Stationen der mit dichtgedrängter Kunst und Handwerk übersehten toskanischen Stadt am Arno. Nach Dom, Palazzo und Ponte Vecchio landeten wir am Piazza Michelangelo, der uns bei beginnendem Sonnenuntergang und einem Sandwich einen atemberaubenden Ausblick auf die mittelalterliche Stadt gab. Mit Einbruch der Nacht beschlossen wir das florentinische Nachtleben zu erkunden. Nach einigen Clubs und Bars ruhten wir uns noch ein wenig im nächstgelegenen Park aus, ehe wir den wärmenden Sonnenaufgang am Arno bewundern konnten. Nach einer kleinen Stärkung nahmen wir noch an einer kostenlosen Führung teil, was angesichts der durchgemachten Nacht bei den meisten von uns leider zu Sekundenschlaf führte.

In der zweiten Woche besuchten wir direkt vom Zeltlager aus ein kommunistisches Ortsfest, welches für die männlichen Teilnehmer einen erheiternden "Beauty-Contest" bot, bei dem Hoolahoopkünste und das Erraten von Unterwäschestücken gefragt war. Irene und Maria aus Spanien halfen bei der Moderation. Gegen Ende der zweiten Woche fuhren wir mit dem Auto an die Mittelmeerküste, wo wir in der Nähe des Küstenortes Viareggio den Strand und das Meer genießen konnten. Mittags fuhren wir weiter zum Hafen von Viareggio und verbrachten einige Stunden auf mehreren, kleineren Segelbooten und hatten wieder eine Bilderbuchaussicht auf die Küstenstadt mit den im Hintergrund bis zu 2000 Meter hohen apuanischen Alpen.

Vielen Dank, Thank You, Grazie

Zusammenfassend kann ich festhalten, dass die Entscheidung an diesem Workcamp teilzunehmen eindeutig richtig war und ich eine der besten und intensivsten zwei Wochen meines Lebens verbracht habe. Ich konnte während dieser Zeit viele sympathische Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen kennenlernen und eine abwechslungsreiche, ehrenamtliche, physische Tätigkeit ausüben. Darüber hinaus habe ich aufgrund der Kenntnis der einheimischen Betreuern Kontakte zu vielen Orten und Menschen aus der Region erfahren. Es blieb trotzdem immer noch ein wenig Zeit zum entspannen. Besonders positiv ist auch, dass jeder an diesem Workcamp auch mit einem kleinen Geldbudget teilnehmen kann.
Schließlich möchte ich mich noch bei Allen bedanken, die dieses Workcamp möglich gemacht haben. IBG für die Vermittlung und Legambiente mit den Betreuern Zora und Luca für die grandiose Organisation vor Ort.

Tobias (25, Freiwilliger)

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