07. November 2018

Workcamp in Ping Che (Hong Kong)

Im August habe ich während meiner Asien-Reise für einige Tage ein Workcamp von VOLTRA in Hong Kong besucht.

Sonntag mittags bin ich in Hong Kong gelandet und direkt mit Bus und Mini-Bus zum Projektort nach Ping Che gefahren. Nachdem mich der kleine Mini-Bus irgendwo auf dem Land ausgespuckt hatte, stand ich zunächst etwas planlos an einer kleinen Straße. Tatsächlich hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht, wie ich von hier aus das Camp finden würde. So weit ging das Infosheet leider nicht. Und meine Planung übrigens auch nicht... Zum Glück gabelte mich der VOLTRA-Mitarbeiter Anson nach kurzer Wartezeit auf - sehr quirlig, sehr redselig und sehr begeistert, für die letzten zwei Tage noch eine Deutsche zur internationalen Workcamp-Gruppe zählen zu dürfen. Die Gruppe, das waren bisher drei Teilnehmende aus Hong Kong, drei aus Spanien, eine Teilnehmerin aus Japan und eine aus Indonesien. Und jetzt also ich, übermüdet und aufgedreht zugleich, aus Deutschland.

Samt Gepäck führte mich Anson erstmal über das Farmgelände (im Dunst waren die Hochhäuser von Shenzhen in China erkennbar) und dann zum Camp.

Hier wuselten überall Freiwillige herum, die an dem eintägigen Programm von VOLTRA teilnahmen. Die Organisation bietet immer wieder solche Tage an, an denen Bewohner_innen Hongkongs in das Leben eines internationalen Workcamps reinschnuppern und Freiwilligenarbeit an einem Ort auf dem Land außerhalb ihrer Stadt ausprobieren können. Nachdem ich kurz meinen Rucksack in den kleinen Raum werfen konnte, der den Mädels zum schlafen diente, wurde ich sofort an einen Tisch voller neugieriger Freiwilliger gesetzt, die aus Draht Vögel für die Bäume bastelten. Alle waren nett, quetschten mich aus, und so bastelten wir die nächsten ein oder zwei Stunden Vögel. Gegen 16 Uhr wurden vier Stationen etabliert, von denen eine als "German" deklariert wurde (ja, meine) - an die anderen verteilten sich die Teilnehmenden aus Spanien, Japan und Indonesien. In einem rotierenden System füllte sich mein Tisch für jeweils 20 Minuten mit neugierigen Gästen, die etwas über Deutschland hören wollten. Ich erzählte von Weihnachten, Karneval, Ostern, Bier und Bratwürsten, der deutschen Pünktlichkeit und Arbeitsmoral, und debattierte, ob alle Deutschen dickköpfig seien. Dazu zeigte ich Fotos (nicht von dickköpfigen Deutschen, aber von Festen und der Natur). Abends blieb ich mit der internationalen Gruppe vor Ort und hatte erstmals Gelegenheit, mich wirklich vorzustellen, zu erzählen, was ich in Hong Kong mache und zu fragen, ob ich bis Dienstag bleiben kann. Die achtköpfige Gruppe nahm mich super auf und wir fuhren erstmal mit dem Mini-Bus zur nächsten Mall, um Nudeln zu essen.

Den nächsten Tag verbrachten wir auf der Farm, morgens ein paar Stunden, nachmittags ein paar Stunden.

Die Luftfeuchtigkeit war so extrem, dass ich mich wunderte, warum es noch nicht regnete. Hitze, Moskitos und eine einzige ältere Frau, die das riesige Gelände normalerweise alleine bewirtschaftet. Sie fing vor uns mit der Arbeit an und hörte nach uns auf. Wir hatten den allergrößten Respekt vor ihr. Sie zeigte uns mit einem breiten Lächeln, wo wir Unkraut jäten und Wurzeln ausbuddeln sollten, und damit waren wir den ganzen Tag beschäftigt. Abends dann ein Abschlussessen (samt bettelnder Hunde, die frei herumliefen und auf Abfälle hofften bzw. selbst den Mülleimer durchwühlten), am nächsten Tag dann das Aufräumen. Zum Abschluss trafen wir uns am Abend nochmal in der Stadt, um die Licht-Show an der Skyline zu betrachten und gemeinsam Essen zu gehen, weil fast alle internationalen Teilnehmenden noch eine Nacht in Hong Kong verbrachten, bevor sie zurück reisten. Was ich in Hong Kong festgestellt habe: Kantonesisch klingt wirklich sehr anders als Mandarin und ich habe dort kein Wort mehr verstanden.

Marie (23, Freiwillige)

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