04. März 2026

Workcampleitung in Nellschütz: Bring Nature Back to the Kieswerk! (Deutschland)

Florian war letzten Sommer unser Campleiter im Naturschutzprojekt Bring Nature Back to Nellschütz. Im Projekt ging es darum einen stillgelegten Teil des Kieswerks bei Lützen in Sachsen-Anhalt für die nächste Generation Natur vorzubereiten. Es war unser erstes Workcamp mit unserer Projektpartnerin und Natur- und Umweltpädagogin Tanja Selentschik, die diesen Ort inzwischen mit unserem zweiten Workcamp in diesem Jahr zu einer Umweltbildungsstätte enstehen lassen möchte. 

Hier berichtet euch Florian wie diese Arbeit ausgesehen hat und wie es war das Workcamp zu leiten:

Die Vorbereitungen

"Meine Co-Leaderin und ich wurden rechtzeitig mit der Projektverantwortlichen vor Ort in Kontakt gebracht. Da ich unweit des Camports wohne, hatte ich auch Gelegenheit, alles ein paar Wochen vor Campbeginn bereits zu besichtigen. Zudem gab es einen Videocall mit uns als Campleitung, der lokalen Projektpartnerin und der IBG-Verantwortlichen, um wichtige Fragen zu besprechen.
Dafür, dass es das erste Camp in Nellschütz war, konnten wir also sehr gut informiert starten."
 

Ankommen im internationalen Abenteuercamp

"Zur Begrüßung erhielten alle Teilnehmenden einen persönlichen Brief, in dem bereits alle geplanten Aufgaben beschrieben waren. Der Brief war in der jeweiligen Landessprache der Teilnehmenden verfasst, was bei diesen sehr gut ankam. In den ersten Tagen lernten sich alle schnell kennen. Wir spielten auch viele Spiele.

Wir waren alle gemeinsam in einem großen Pavillon mit Seitenwänden untergebracht, in dem wir auf einfachen Feldbetten schliefen. Alle Teilnehmenden hatten einen Schlafsack, worauf auch im Infosheet hingewiesen wurde. Teils war es nachts etwas kalt, sodass wir zusätzlich zum Schlafsack noch Decken benötigten, die wir kurzfristig organisieren konnten. Da es sehr oft regnete und stürmte, wurden einige Betten hin und wieder nass. Der Boden war mitunter sehr schlammig, was sich aber bei den Wetterbedingungen, mit denen wir während des Camos zu kämpfen hatten, nicht vermeiden lässt.

Zusätzlich zum Schlafpavillon hatten wir einen Bauwagen zur Verfügung, der mit zwei Gaskochplatten und den wichtigsten Küchenutensilien ausgestattet war. Es gab keinen Stromanschluss, aber jeden Tag die Möglichkeit, Powerbanks in Tanjas Büro zu laden. Trinkwasser und Wasser zum Waschen/Spülen wurde uns regelmäßig gebracht. Als Kühlschrankersatz hatten wir ein im Boden versenktes Wasserfass zur Verfügung. Außerdem gab es einen weiteren Pavillon und mehrere Biertischgarnituren, die wir für die Mahlzeiten und andere gemeinsame Aktivitäten nutzten. Wir hatten eine mobile Toilette (Dixi-Klo) zur Verfügung, die einmal pro Woche professionell gereinigt wurde. Außerdem gab es zwei Solarduschen, die wir meist an einem Baum befestigten.

Insgesamt war es, wie im Infosheet beschrieben, kein Luxus, aber wir hatten alles, was wir brauchten."

Camp Life

"Wir hatten zunächst die Aufgabe, einen Rundweg zu begradigen, damit die zukünftigen Besucher*innen des Biotops bequem darauf laufen können. Diese Aufgabe nahm sehr viel weniger Zeit in Anspruch als von Tanja geplant. Weiterhin errichteten wir eine Steinmauer, beseitigten für das Biotop schädliche Neophyten, halfen bei der Pflege einer Hecke, legten einen kleinen Garten und eine Sandfläche an, auf der zukünftig Yogakurse stattfinden sollen. Als zusätzliche Aufgabe halfen wir beim Auf- und Abbau des „Markts der Möglichkeiten“ in Lützen, der erstmalig stattfand. Dafür kochten wir auch gemeinsam eine Gemüsesuppe, die wir dort verkauften. Der Erlös aus dem Verkauf wurde IBG gespendet 😊

Tanja gab uns in der Regel am Anfang des Tages eine kurze Einweisung in die zu erledigenden Aufgaben und ließ uns dann allein arbeiten. Manchmal arbeiteten die Volunteers auch an unterschiedlichen Aufgaben. Bei manchen Aufgaben wäre eine detailliertere Einweisung und Anleitung während der Durchführung hilfreich geweisen. Was die Arbeitszeiten anging, waren wir sehr flexibel. In der Regel arbeiteten wir von 9 Uhr bis 12:30 Uhr und nachmittags von 14 Uhr bis 16:30 Uhr. Manchmal mussten wir die Arbeit witterungsbedingt unterbrechen. Wir konnten dennoch alle Aufgaben erledigen.

Unsere Projektverantwortliche Tanja Selentschik war jeden Tag vor Ort und unterstützte uns mit allem, was wir benötigten. (Trinkwasser, Geschirr, Reinigen der mobilen Toilette, wärmere Decken etc.) Wenn wir Probleme signalisierten oder etwas brauchten, kümmerte sie sich immer sofort darum.  Während des Camps unterhielt sich Tanja mit allen Volunteers bei Gelegenheit auf Englisch. Sie war auch für die Freiwilligen stets ansprechbar. Einmal kochte sie für uns ihr Lieblingsgericht (vegane Rote-Bete- Klöse), was auch dem Großteil der Gruppe sehr gut schmeckte.

In unserer Freizeit konnten wir jederzeit in einer nahegelegenen Kiesgrube baden gehen. Für andere Freizeitaktivitäten, bei denen wir uns an den Interessen der Volunteers orientierten, waren wir auf den Kleinbus angewiesen, den wir zur Verfügung hatten. Wir besuchten zwei Mal das Sommerbad Lützen, wobei der Eintritt einmal vom Kieswerk Nellschütz übernommen wurde.

Neben der Erkundung nahegelegener Orte unternahmen wir auch Ausflüge nach Weißenfels, wo wir das Schuhmuseum und den lokalen Pub besuchten. Außerdem verbrachten wir einen Nachmitag in Leipzig und gingen anschließend zur „soirée polyglotte“, bei der die Volunteers Gelegenheit hatten, sich in verschiedenen Sprachen zu unterhalten. In Halle waren wir in einem renommierten alternativen Techno-Club, besuchten ein Museum und unternahmen eine Kayak-Tour auf der Saale. Am vorletzten Tag stand ein Besuch in der „Rotkäppchen-Erlebniswelt“ in Freyburg mit anschließender Sektverkostung auf dem Programm. Auf dem Rückweg legten wir einen Zwischenstopp am Sonnenobservatorium Goseck ein, wo wir picknickten. Wir haben die Freizeit also effektiv genutzt.

Da wir hin und wieder Gemüsekisten und andere Dinge vom lokalen Projektpartner erhielten, konnten wir zusätzlich zur Verpflegung auch einige Eintrittsgelder vom Campbudget bezahlen, sodass alle Volunteers an den Freizeitaktivitäten teilnehmen könnten."

Adiós, Goodbye & Wiedersehen

"Das Camp war insgesamt eine tolle Erfahrung, die ich gern wiederholen möchte. Da ich in der Nähe des Camports wohne, hatte ich einige Ideen für Freizeitunternhemungen, die bei der Gruppe gut ankamen. Herausfordernd war es, neben den Arbeitsaufgaben und der Stimmung in der Gruppe auch auf die Dinge des täglichen Bedarfs zu achten, wie Trinkwasser, der improvisierte Kühlschrank, das Laden der Power-Banks, das Entwässern der Zelte bei Regen etc. Glücklicherweise gab es einige sehr engagierte Volunteers (besonders Julie), die spontan bei vielen Dingen halfen, wenn sie bemerkten, dass Hilfe nötig war.

Es war ungünstig, dass meine Co-Leaderin kaum Englisch sprach. Viele Dinge erledigte ich letztendlich selbst, da es zu aufwändig gewesen wäre, sie ihr zu erklären. Obwohl sie auch oft fragte, wie sie helfen kann, hatte ich manchmal das Gefühl, dass ein Großteil der zu erledigenden Aufgbane an mir hängen bleibt. Trotz der Probleme, die es zwischenzeitlich gab, hatte ich insgesamt aber eine sehr schöne Zeit, auf die ich gern zurückblicke.

Am letzten Tag des Camps fand eine Grillparty statt, zu der auch viele Einheimische erschienen, um mitzufeiern und die Ergebnisse unserer Arbeit zu bestaunen. Das war ein sehr gelungener Abschluss für unser Camp."

 

(Florian, Campleitung)

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