Mein Alltag und Naturschutz — passt das zusammen?
Naturschutz, Artenschutz, Klimaschutz... das sind doch Aufgaben von Organisationen, Politik und Aktivist*innen; was kann ich da schon tun, oder? Dieser Gedanke geht sicher vielen Menschen im Kopf herum wenn sie an die Herausforderungen der aktuellen Zeit denken. Was man als einzelne Person für die Natur tun kann ist auch leider gar nicht so offensichtlich in unserer Gesellschaft. Und wer oder was als "Natur" gilt, ist das eigentlich so klar?
Dabei sind vor allem viele kleine Schritte im Alltag nötig und möglich, um zum Schutz von Ökosystemen direkt beizutragen, denn in-sich geschlossene Ökosysteme existieren sogar an Orten wie U-Bahn Schächten.
Wir zeigen dir hier einige Bereiche und Praktiken, in denen du dich ausprobieren kannst um zum Artenschutz deiner natürlichen Umwelt beizutragen. Ganz egal ob du mitten in der Stadt wohnst, in einem großen Wohnblock, oder dich noch nie mit Natur beschäftigt hast. Es reicht schon alleine neugierig zu sein darauf, wie du im Kleinen die Welt vor deinen Füßen schützen kannst ☺

💡Konsum von Licht und Lichtverschmutzung
Die Gründer der Initiative Kein Licht im Garten erklären Lichtverschmutzung als,
"Prozess der Aufhellung der Nacht und des Nachthimmels durch künstliches, das heißt elektrisches Licht.
Seit seiner Erfindung vor rund 150 Jahren erhellen wir Menschen damit immer mehr die Dunkelheit.
Da dies nachgewiesenermaßen als eine Art Umweltverschmutzung und damit negativ zu bewerten ist,
wird dieser nächtliche Kunstlichteintrag auch als Lichtmüll oder Lichtsmog bezeichnet." 1
Dieses künstliche Licht ist vor allem für den Bio-Rhythmus von umstehen Pflanzen schädlich, für Zugvögel und nachtschlafende Gartenbewohner stark irritierend und für Wasserorganismen, Fluginsekten und lichtscheue Spinnen meistens sogar tödlich2, weil sie einerseits vom Licht angezogen werden (Fluginsekten) und nicht mehr weg können, andererseits vertrieben werden (Spinnen) und keine Nahrung im Dunkeln finden. Viele Insekten sterben deshalb einfach aus Erschöpfung vom endlosen Flattern.3 Eine gestörte Balance in unserem unmittelbaren Ökosystem wirkt sich wiederum auch auf unsere eigene Gesundheit, das Klima und unsere Nahrung aus, da viele Insekten nicht zu den Blüten fliegen und sie demnach auch nicht bestäuben.4
Vielleicht hast du auch schon einmal einen grellen Leuchtball oder ein paar atmosphärische Lichtstäbe in Gärten entdeckt oder wirst sogar selbst vom Nachbar geblendet? Selbst die gemütlich leuchtende Lichterkette in deinem eigenen Garten gilt als Lichtverschmutzung. Die gute Nachricht: Du musst aber nicht komplett auf Gartenbeleuchtung verzichten und kannst trotzdem vielen Lebewesen etwas Gutes tun indem du die Lampen einfach ausmachst sobald du den Abend im Garten beendest. Und vielleicht entdeckst du dabei noch ein paar Sterne am Himmel. ✨
Am 11. September 2026 kannst du symbolisch ein Zeichen gegen Lichtverschmutzung setzen: an der Earth Night 🌙
🕸️"Nützliche" Insekten und Spinnen unterstützen
Man muss nicht alle Tiere lieben und man muss auch nicht alle Tiere nach Hause einladen. Aber sind sie einmal da, ist es gut zu wissen was sie eigentlich in deinem Heim machen. Da wir Menschen andere Tiere gerne in "Nützlinge" und "Schädlinge" einteilen, stellen wir dir hier einige kleine Nachbarn vor, von deren Mitarbeit im Haushalt du vielleicht bisher noch nichts wusstest.
🐜 Ameisen: Ameisenstraßen scheinen erstmal Besorgnis-erregend, sie verschwinden aber wieder wenn es bei dir nichts mehr zu holen gibt. Wenn eine etwas zu Essen findet sagt sie den anderen Bescheid, so räumen sie bei dir herunter gefallen Krümel und Speisereste auf die unter dem Schrank oder im Teppich vielleicht sonst vergammeln würden.
🐝 Wespen: Viele Menschen sind genervt oder fürchten sich vor Wespen die um sie herum schwirren oder auf dem Brot sitzen. Und sicher sollte man darauf achten, keine ausversehen zu essen oder sich auf sie drauf zu setzen, besonders wenn man eine Allergie gegen ihr Gift hat. Grundsätzlich räumen aber auch Wespen bei dir auf, da sie sowohl Essensreste als auch Aas fressen. Sie helfen dir eigentlich beim Hausputz, wenn tote Fliegen und Spinnen herumliegen.
🐟 Silberfische: Ok, wir wissen es sind nicht die anmutigsten Hausbewohner*innen, but let us cook. Silberfischchen fressen bei dir eine Menge mikroskopisch kleiner Dinge, die dir selbst gar nicht auffallen, zum Beispiel Hausstaub-Milben, Hautschuppen und Schimmelpilze. Und da wird es interessant! Wenn du nämlich mehrere oder sogar viele Silberfische findest dann ist das zwar ein unerwünschter Befall — gleichzeitig sind sie aber auch ein Anzeichen für ein Schimmelbefall in deinem Zuhause.5 Also warum nennen wir sie nicht gleich Haushaltshelden 😃 Und wenn du sie loswerden willst, musst du dich nur um deine schimmligen Ecken im Haus kümmern und hast gleich zwei Dinge auf einmal gelöst.
🕷️Spinnen: Ein brisantes Thema! Vor allem bei uns in der Gegend findest du häufig Hauswinkelspinnen (Tegenaria domestica, die großen haarigen) und Zitterspinnen (Pholcidae, die mit dem Netz an deiner Lampe). Während Hauswinkelspinnen jagend ihre Nahrung suchen, sammeln Zitterspinnen eure Fliegen, Schnaken, Mücken, Käfer und fremde Spinnen mit ihren Klebefäden ein. Spinnen sind grundsätzlich freundliche Hausbewohner*innen, die perfekt zu deinem Lebenstil passen, wenn du im Sommer zum Beispiel gerne die Fenster auflässt und dabei lauter neue Insekten reinkommen. Die vor einigen Jahren eingewanderte Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) ist die einzige in Deutschland, die bei Bedrohung einen Menschen beissen kann. Ihr Gift ist allerdings für Insekten und andere Spinnen ausgelegt, der Biss schmerzt zwar, ist aber harmlos.6
Spinnen sind aber auch ausserhalb deines Zuhauses essentiell für Ökosysteme. Wenn du sie also lieber draussen wichtig finden möchtest, fang sie vorsichtig in einem Glas, bedecke es mit einem Buch und wildere die Spinne an einem geschützten Platz aus.
... site in progress, stay tuned for more critters 🦎
