10. September 2015

Back to Nature Workcamp (Tschechien)

Ich stehe am Bahnhof der tschechischen Stadt Marianske Lasne. Aus der Ferne kündigte sich mit lautem Hupen eine kleine Bimmelbahn an. Langsam fährt sie in den Bahnhof ein und bleibt quietschend stehen. Der Zug bringt uns nach Tachov, wo ich auf den Rest der Workcampteilnehmenden treffe. Es sind alle möglichen Nationen vertreten: Russland, Ukraine, Tschechien, Italien, Frankreich, Spanien und sogar aus Japan sind zwei Freiwillige angereist. Mit dem Bus geht es dann weiter nach Lesna und von dort müssen wir zu Fuß gehen, hinein in den tschechischen Wald zum Camp. (Keine Sorge, euer Gepäck müsst ihr nicht den ganzen Weg tragen, das wird mit dem Auto abgeholt...!)

Ich bin dieses Jahr zum zweiten Mal hier, denn es ist wirklich ein wunderschöner, ganz besonderer Ort.

Nach ungefähr zwei Stunden Fußmarsch sind wir endlich da: Vor uns öffnet sich eine Lichtung im Wald. Wir können schon die Zelte sehen, in denen wir die nächsten drei Wochen schlafen werden. Die Küche befindet sich draußen: Holztische, ein kleiner Erdkühlschrank, Holzbänke um eine Feuerstelle. Ebenso wie das Badezimmer: Ein Bach mit klarem, kalten Wasser, der durchs Camp fließt. Alle sind ein bisschen müde. Es war ein langer Tag. Aber wir sitzen trotzdem noch ums Lagerfeuer herum und unterhalten uns. Alle sind neugierig, was die anderen so machen. Wir reden über japanisches Essen, Hollande und Merkel und darüber ob "Kompott" ein Getränk oder so etwas wie Marmelade ist.

Am nächsten Tag fangen wir an zu arbeiten. Unsere Hauptaufgabe besteht darin, eine Wiese in der Nähe vom Camp abzumähen, das Gras zusammen zu rechen und weg zu transportieren. Das alles muss von Hand gemacht werde, denn der Boden ist uneben und teilweise sumpfig. Die Wiese liegt im Naturschutzgebiet und es wachsen seltene Pflanzen hier. Dadurch, dass wir das Gras abmähen, können sich die Samen dieser Pflanzen besser ausbreiten. Aber auch im Camp selbst gibt es genug zu tun:

Wir wollen einen Ofen für Keramik bauen, die Beete der kleinen Baumschule von Unkraut befreien und an der Straße weitere kleine Bäume für die Schule ausgraben, denn an der Straße können sie nicht groß werden.

Die Idee dahinter ist, den Teilnehmenden von Workshops, die im Camp angeboten werden, einen kleinen Baum mitzugeben, damit sie ihn einpflanzen. Im Laufe seines Lebens wird der Baum dann CO2 absorbieren, das zum Beispiel durch die Anreise der Teilnehmenden des Workshops produziert wurde. So soll das Camp zum Null-Emissions-Camp werden. Außerdem muss immer Holz gesammelt, gesägt oder gespalten werde. Denn Holz wird ständig gebraucht: Zum Kochen, in kalten Nächten zum Heizen und für die Sauna.

Natürlich kommt auch die Freizeit nicht zu kurz: Wir haben zwei freie Tage pro Woche. Diese nutzen wir, um Ausflüge zu machen. Einer der Schönsten davon ist für mich die Wanderung zu einem alten militärischen Turm. Der Weg dahin geht durch den Wald und vom Turm aus hat man einen großartigen Blick über die Hügel Tschechiens und Deutschlands. Auch im Camp gibt es verschiedene Freizeitmöglichkeiten: Man kann sich im Bogenschießen ausprobieren, schnitzen oder sich einfach nur irgendwo ins Gras legen und lesen.

Als wir nach drei Wochen dann alle wieder zurück nach Prag fahren, fühlt sich das schon ein bisschen komisch an. Da gibt es plötzlich warmes Wasser, eine richtige Toilette und die Luft kommt uns ziemlich schlecht vor. Irgendwie war es im Wald doch schöner....

Friederike, 25, Freiwillige

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