21. August 2019

8 Gründe weniger Fleisch zu essen

Warum die Verpflegung bei unseren Trainings und Seminaren größtenteils vegan ist

Wenn ihr schon mal bei einem unserer Trainings oder Seminare wart, ist euch vielleicht aufgefallen: Die Verpflegung bei IBG-Veranstaltungen ist größtenteils vegan, das heißt ohne tierische Bestandteile. Wir verzichten also fast komplett auf Milch, Eier, Käse oder Butter. Was seit mehreren Jahren nie Teil von IBG-Rezepten ist: Fleisch. Du fragst dich warum? Hier sind 8 Gründe, aus denen wir auf Fleisch verzichten:

1. Abholzung des Regenwaldes

Unsere Ernährung hat einen großen Einfluss auf das Klima. Alleine in Südamerika wurden in vier Jahrzehnten 40 Prozent des Regenwaldes für Weideflächen und den Anbau von Futtermitteln abgeholzt. Mit der zunehmenden Rodung der Wälder können sich auch Waldbrände schneller ausbreiten. Warum wir den Regenwald dringend brauchen, liegt auf der Hand: Der Amazonasregenwald verarbeitet zum Beispiel jedes Jahr mehr als zwei Milliarden Tonnen CO2 und produziert etwa 20% allen Sauerstoffs weltweit.

Du wohnst gar nicht in Südamerika, was hat das also mit dem Fleisch, das du isst, zu tun? Ein Großteil des in Südamerika angebauten Futters wird exportiert - zum Beispiel nach Europa. Hier wird es dann für die Tierzucht verwendet. Zwischen 2013 und 2015 hat die EU  36,1 Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot pro Jahr importiert. 95% davon wurden als Futtermittel für die Fleisch-, Eier- und Milchproduktion genutzt.

2. Treibhausgase

Ein weiterer Effekt des Fleischkonsums auf das Klima ist die Produktion von Treibhausgasen: Der Viehwirtschaft werden 14 bis 18 Prozent der weltweit ausgestoßenen Treibhausgase zugeschrieben. Das ist mehr als der gesamte Verkehr weltweit. (Der liegt mit 13,5 Prozent auch nicht gerade niedrig, aber immer noch geringer). Kühe stoßen beispielsweise große Mengen an Methan aus, das bei der Verdauung des Futters entsteht. Wenn die Gülle der Kühe auf den Feldern landet, entsteht Lachgas.

Methan und Lachgas sind deutlich klimaschädlicher als Kohlendioxid: Methan ist 25 Mal so schädlich, Lachgas fast 300 Mal. Das erklärt, weshalb die Produktion von einem Kilo Rindfleisch zwischen sieben und 28 Kilo Treibhausgase verursacht. Die gleiche Menge Obst oder Gemüse verursachen weniger als 1 Kilo. Wer weniger Fleisch isst, verursacht also auch weniger Treibhausgase.

3. Belastung von Grundwasser

Die in Deutschland gehaltenen Schweine erzeugen beispielsweise doppelt so viele Abwässer wie die menschliche Bevölkerung. Der Konsum von tierischen Produkten trägt dazu bei, dass mehr Gülle produziert wird und damit das Grundwasser und der Boden unter anderem mit Nitraten und Phosphaten belastet werden. Wozu wir sauberes Grundwasser brauchen? Für unser Trinkwasser zum Beispiel. 2 von 5 Menschen weltweit haben aktuell keinen dauerhaften Zugang zu sauberem Trinkwasser.

4. Wasserverschwendung

Hinter dem Fleisch, das wir essen, steckt extrem viel Wasser: Für die Produktion von 1 Kilo Rindfleisch sind bis zu 15.000 Liter Wasser nötig. Diese hohe Menge, mit der man theoretisch ein Jahr lang täglich duschen könnte, setzt sich aus der Bewässerung der Futtermittel sowie dem Bedarf der Tiere an Trinkwasser zusammen. Bewusste Ernährung und der Verzicht auf Fleisch spart also  Wasser. 

Warum unser Wasser so eng mit Klimaschutz zusammenhängt, kannst du hier noch einmal ausführlicher nachlesen.

5. Ungerechte Verteilung

Um 1 Kilo Fleisch zu erhalten muss man 100 Kilo Futtermittel anpflanzen. Der Anbau für Fleisch und Milchprodukte decken 83% unseres Ackerlandes – aber nur 18% unseres Energiebedarfs. Gleichzeitig hungern etwa 1 Milliarde Menschen weltweit. Weniger Fleischkonsum bedeutet, dass Ackerflächen besser genutzt werden können und potentiell mehr Menschen ernährt werden können.

6. Bodenerosion

Durch Erosion gehen fruchtbare Böden verloren. Erosion bedeutet: Erde wird von Wind und Wasser einfach abgetragen. Gründe dafür: intensive Landwirtschaft, die Überweidung der Flächen mit zu vielen Tieren und der unangepasste Ackerbau. Aber auch chemische Dünger, Pestizide und maschinelle Verdichtungen reduzieren das Leben in der Bodenschicht und damit die Fruchtbarkeit des Bodens.

Ein Viertel der weltweiten Landoberfläche ist degradiert, Steppen und Wüsten breiten sich aus. Dieser Verlust von fruchtbarem Land gefährdet etwa 1,5 Milliarden Menschen unmittelbar. Rund 70.000 zusätzliche Quadratkilometer Wüste entstehen jedes Jahr durch die Erosion von Böden. Das entspricht etwa der Fläche von Irland.

7. Tierleid

Wenn man sich Dokumentationen über die Lebensverhältnisse von Nutztieren ansieht, wird schnell klar, dass es sich hierbei meist nicht um respektvolle Behandlung handelt. Was in der Massenproduktion von Fleisch passiert, ist weder human noch vertretbar. Die Lebenserwartungen von Nutztieren liegen bei 1/10 oder weniger der natürlichen Lebensspanne. Es ist wissenschaftlich bestätigt, dass Tiere den Schmerz ebenso spüren, wie wir es tun würden. Welches Recht haben wir also, uns darüber hinweg zu setzen?

8. Gesundheitsrisiken

Da Nutztiere auf so engem Raum miteinander leben, wird ihnen in den meisten Fällen prophylaktisch Antibiotika ins Futter gemischt werden, damit sich keine Krankheiten ausbreiten können. Diese Antibiotika werden schlussendlich von Menschen aufgenommen, die das Fleisch der Tiere essen. Der Überschuss an Antibiotika führt zu den sogenannten multiresistenten Keimen, die auch dem Menschen gefährlich werden. Bei Tieren aus ökologischer Landwirtschaft kann darauf übrigens weitestgehend verzichtet werden, da die Tiere genügend Freiraum haben und sich deswegen nicht so einfach gegenseitig anstecken. 

Ist es also schlecht Fleisch zu essen?

Die Haltung von Nutztieren für den Fleischkonsum ist nicht generell falsch. Es gibt schließlich auch Gegenden, deren Existenz von der Viehwirtschaft abhängt, da auf ihren Flächen nichts anderes bewirtschaftet werden kann (z.B. Gebirge oder Steppen). Fleisch in geringen Mengen (300-600g/Woche) deckt unseren Nährstoffbedarf und ist nicht gesundheitsschädlich. Auch aus Sicht der Umwelt, sozialer Gerechtigkeit und dem Tierwohl spricht nichts gegen den Sonntagsbraten, sofern das Fleisch von Tieren stammt, die artgerecht und umweltschonend gehalten wurden.

Wir kochen bei Veranstaltungen und Seminaren bewusst vegetarisch und zu großen Teilen auch vegan, nicht weil wir euch den Fleischkonsum verbieten wollen, sondern weil wir zu einem bewussteren Konsum anregen möchten. Außerdem auch, weil wir mit veganem Essen die unterschiedlichen Essensgewohnheiten oder Allergien von Teilnehmenden meist sehr gut berücksichtigen können. Und natürlich, weil wir jede Menge richtig gut vegane Rezepte kennen.

Du findest das Thema spannend und möchtest dich weiter damit beschäftigen? Oder du möchtest gern mehr vegan kochen, aber dir fehlen die Rezepte? Dann kontaktiere doch einfach unsere Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit. Die Gruppe ist ein Ort für alle, die sich zum Thema Nachhaltigkeit austauschen möchten oder auf der Suche nach Anregungen und Tipps für nachhaltigeres Leben und Arbeiten sind.

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