7 Gründe weniger Fleisch zu essen
Wenn ihr schon mal bei einem unserer Trainings oder Seminare wart, ist euch vielleicht aufgefallen: Die Verpflegung bei IBG-Veranstaltungen ist größtenteils vegan, das heißt ohne tierische Bestandteile. Wir verzichten also fast komplett auf Milch, Eier, Käse oder Butter. Was seit mehreren Jahren nie Teil von IBG-Rezepten ist: Fleisch. Du fragst dich warum? Hier sind 7 Gründe, aus denen wir auf Fleisch verzichten:
1. Abholzung des Regenwaldes
Unsere Ernährung hat einen großen Einfluss auf das Klima. Alleine in Südamerika wurden in vier Jahrzehnten 40 Prozent des Regenwaldes für Weideflächen und den Anbau von Futtermitteln abgeholzt. Mit der zunehmenden Rodung der Wälder können sich auch Waldbrände schneller ausbreiten. Warum wir den Regenwald dringend brauchen, liegt auf der Hand: Der Amazonasregenwald verarbeitet zum Beispiel jedes Jahr mehr als zwei Milliarden Tonnen CO₂ und produziert etwa 20% allen Sauerstoffs weltweit.
Du wohnst gar nicht in Südamerika, und fragst dich, was das mit dem Fleisch, das du vielleicht isst, zu tun hat? Ein Großteil des in Südamerika angebauten Futters wird exportiert - zum Beispiel nach Europa. Hier wird es dann für die Tierzucht verwendet. Zwischen 2013 und 2015 hat die EU 36,1 Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot pro Jahr importiert. 95% davon wurden als Futtermittel für die Fleisch-, Eier- und Milchproduktion genutzt.
2. Treibhausgase
14 bis 18 Prozent der weltweit ausgestoßenen Treibhausgase gehen auf Viehwirtschaft zurück. Das ist mehr als der gesamte Verkehr weltweit - allerdings nur knapp: Mit 13,5 Prozent sind die Treibhausgase, die unsere Fahrzeuge verursachen, auch nicht gerade niedrig. Hierbei geht es nicht nur um CO₂. Bei ihrer Verdauung stoßen beispielsweise Rinder natürlicherweise große Mengen an Methangas aus, was bei Freisetzung zur Klimaerwärmung beiträgt.
Methan und Lachgas sind deutlich klimaschädlicher als Kohlendioxid: Methan ist 25 Mal so schädlich, Lachgas fast 300 Mal. Die Produktion von einem Kilo Rindfleisch verursacht zwischen sieben und 28 Kilo Treibhausgase. Die gleiche Menge Obst oder Gemüse verursachen weniger als 1 Kilo. Wer weniger Fleisch isst verringert die Nachfrage auf dem Markt und trägt dazu bei, dass vielleicht zukünftig weniger Fleisch produziert wird.
3. Belastung von Grundwasser & Wasserverbrauch
Die industrielle Schweinehaltung in Deutschland erzeugt doppelt so viel Abwasser wie die menschliche Bevölkerung. Der Konsum von tierischen Produkten trägt dazu bei, dass mehr Gülle produziert wird und damit das Grundwasser und der Boden unter anderem mit Nitraten und Phosphaten belastet werden.
Sauberes Wasser ist für uns nicht nur als Trinkwasser wichtig - in allen Bereichen unseres Lebens, vom Lebensmittelanbau bis hin zur Industrie, benötigen und verbrauchen wir Süßwasser. Mehr dazu wie die Klimakrise mit unserem Trinkwasser zusammenhängt, könnt ihr hier nachlesen.
Hinter dem Fleisch, das wir essen, steckt extrem viel Wasser: Für die Produktion von 1 Kilo Rindfleisch sind bis zu 15.000 Liter Wasser nötig. Diese hohe Menge, mit der man theoretisch ein Jahr lang täglich duschen könnte, setzt sich aus der Bewässerung der Futtermittel, sowie dem Bedarf der Tiere an Trinkwasser zusammen. Bewusste Ernährung und der Verzicht auf Fleisch schützt und spart also Wasser.
4. Ungerechte Verteilung
Um 1 Kilo Rindfleisch zu erhalten muss man ca. 10 Kilo Futtermittel verfüttern. Insgesamt werden laut der Studie "Sieh zu, dass Du Land gewinnst. Zunehmende Konkurrenz um knappe Flächen" von Südwind e.V. weltweit 3,55 Mrd.Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche für Weiden genutzt. 71 % des Ackerlandes werden außerdem für die Produktion von Tierfutter bestellt wird. Gleichzeitig hungern etwa 1 Milliarde Menschen weltweit. Weniger Fleischkonsum bedeutet, dass Ackerflächen besser genutzt werden können und potentiell mehr Menschen ernährt werden können.
5. Bodenerosion
Durch Erosion gehen fruchtbare Böden verloren. Erosion bedeutet: Erde wird von Wind und Wasser einfach abgetragen. Gründe dafür: intensive Landwirtschaft, die Überweidung der Flächen mit zu vielen Tieren und der unangepasste Ackerbau. Aber auch chemische Dünger, Pestizide und maschinelle Verdichtungen reduzieren das Leben in der Bodenschicht und damit die Fruchtbarkeit des Bodens.
Ein Viertel der weltweiten Landoberfläche ist degradiert, Steppen und Wüsten breiten sich aus. Dieser Verlust von fruchtbarem Land gefährdet etwa 1,5 Milliarden Menschen unmittelbar. Rund 70.000 zusätzliche Quadratkilometer Wüste entstehen jedes Jahr durch die Erosion von Böden. Das entspricht etwa der Fläche von Irland.
6. Industrielle Tierhaltung
Die industrielle Tierhaltung zur Gewinnung von Fleisch, Milch, Eiern und anderen Lebensmitteln ist ein Thema, das nicht nur besonders das Wohlergehen der Tiere betrifft, sondern vielmehr eine ganze Reihe komplexer Probleme in Bezug auf Lebensmittelsicherheit, Arbeitssicherheit, Lebensmittelhygiene, Lebendtiertransport und Tierhaltung mit sich bringt. Die unethische Behandlung in industriellen Schlachthöfen betrifft sowohl Nutztiere als auch Arbeitende, sodass es viele Gründe gibt, diese Industrie nicht zu unterstützen. Rinder, Schweine, Hühner und viele andere Tiere werden meist geschlachtet, bevor sie alt oder sogar ausgewachsen sind. Während des Lebendtransports, der mehrere Tage dauern kann, leiden viele unter Stress, Kälte, Hunger, Durst und Schmerzen. Aufgrund unzureichender Ausbildung oder Zeit werden die Hygiene- und Sicherheitsstandards nicht immer eingehalten. Studien aus Südafrika, den USA und Großbritannien haben dokumentiert, dass großindustrielle Schlachthofarbeitende unterbezahlt sind, keine Krankenversicherung oder sogar Sicherheitsausrüstung haben und mit mentaler Gesundheit kämpfen, was sich bei vielen in Form von Albträumen bis hin zum Selbstmord zeigt. Viele Angestellte sind täglich einem starken Zeitdruck und einer Normativität körperlicher Gewalt ausgesetzt, um in einer Industrie mithalten zu können, in der täglich weltweit über 220 Millionen Landtiere geschlachtet werden.
Ein deutlicher Unterschied besteht zu kleinen landwirtschaftlichen Betrieben in ganz Europa, in denen Landwirt*innen Säugetiere und Vögel in einer natürlichen Umgebung halten und ihnen ausschließlich natürliche Nahrung wie Gras, Heu und Silage anbieten. Die kommerzielle Hoftötung, die sich seit einiger Zeit als Nischenpraxis verbreitet, bietet zusätzlich eine Art der Schlachtung, die ohne Tiertransport und Schlachthaus auskommt und somit den Tieren Angst nimmt und den Stress minimiert.
7. Gesundheitsrisiken
Da industriell gehaltene Tiere gezwungen werden auf sehr engem Raum miteinander zu leben, wird ihnen in den meisten Fällen prophylaktisch Antibiotika ins Futter gemischt, damit sich keine Krankheiten ausbreiten können. Diese Antibiotika werden schlussendlich von Menschen aufgenommen, die das Fleisch der Tiere essen. Der Überschuss an Antibiotika führt zu einer Entwicklung von multiresistenten Keimen, die auch dem Menschen gefährlich werden können. Bei Tieren aus ökologischer Landwirtschaft kann darauf übrigens weitestgehend verzichtet werden, da die Tiere genügend Freiraum haben, gesund ernährt werden und auf natürlichem Boden stehen.
Ist es also falsch Fleisch zu essen?
Wenn du nicht aus tierethischen Gründen auf Fleisch verzichtest, kann Fleisch durchaus in kleinen Mengen einen Teil deines Nährstoffbedarfs decken und ist nicht grundsätzlich gesundheitsschädlich, insbesondere wenn es von Tieren stammt, die mit natürlichem Futter gefüttert und in natürlicher Umgebung gehalten werden (wie beispielsweise bei der Weidehaltung von Rindern). In industrialisierten Ländern gibt es jedoch zahlreiche Alternativen, die Fleisch gut ersetzen können. Hier ist der Verzehr von Fleisch selten wichtig für das Überleben oder eine gesunde Ernährung. Bei Veranstaltungen und Seminaren bieten wir bewusst vegetarische und vegane Speisen an, nicht weil wir euch den Verzehr von Fleisch verbieten wollen, sondern weil wir die immer noch vorherrschende gesellschaftliche Norm täglich Fleisch und Wurst zu essen hinterfragen und zu einem bewussteren Konsum anregen möchten. Vegane Ernährung hilft uns auch gut dabei, eine diverse Gruppe von Menschen mit unterschiedlichen Essgewohnheiten oder Allergien zu versorgen. Und natürlich kennen wir viele wirklich gute vegane Rezepte.
Du findest diese Themen spannend und möchtest dich weiter damit beschäftigen? Oder würdest du gern mehr vegan kochen, aber dir fehlen die Rezepte? Schicke uns einfach eine Email und wir teilen gerne unsere Erfahrungen und Tipps.